Danke, BPV, Grüne und SPD!

18.07.2014 | Volksbegehren

Zeit, sich im Namen aller Schüler, Lehrer und Eltern, die jetzt weiterhin unter diesem unsäglichen G8 leiden dürfen, bei einigen Akteuren der bayerischen Politik recht herzlich zu bedanken:

Ein eindrucksvoller Dank an die Spitze des Bayerischen Philologenverbands. Jedes BPV-Mitglied vor Ort hat erklärt, das Volksbegehren zu unterstützen, nur der Verband selbst werde das leider nicht tun. Er wolle zwar dasselbe, habe es aber ein bisschen anders verpackt. Und da Herr Seehofer diese Verpackung bereits einmal mit wohlwollendem Stirnrunzeln angeguckt habe, sei die Verbandsführung vollständig davon überzeugt, als Architekt des Neuen Bayerischen Gymnasiums in die Annalen einzugehen.
Jetzt ist man aber beleidigt! Der Seehofer nimmt das Päckchen gar nicht! Der macht doch glatt das, was er will! Und das ist bestimmt nicht das, was der Philologenverband will. Gemein.
Tja. So kann’s gehen, wenn man von seiner eigenen Wichtigkeit soo überzeugt ist, dass man es ablehnt, mit anderen zusammenzuarbeiten. Zum zweiten Mal nach 2005 eine realistische Chance für das G9 versemmelt. Glückwunsch!

Ein weiterer Dank geht an die bayerischen Grünen. Ach so! Die waren gar nicht dabei! Weder dafür noch dagegen noch so richtig für was anderes… So kennt man die bayerischen Grünen, wenn’s um Bildungspolitik geht. Auch hierfür ein herzlicher Glückwunsch.

Unser tiefstempfundener Dank geht allerdings an die bayerische SPD, die Worthaltepartei. Wendehälse nix dagegen, würde der österreichische Schriftsteller Wolf Haas sagen: War man bislang immer strammer G8-Befürworter, musste man sich im Wahlkampf doch ein bisschen von der CSU unterscheiden und erfand: „Das Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten“. Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Ein richtig schönes Konzept hat man dazu entwickelt, das aber offensichtlich nur Eingeweihte gesehen haben – und wir von BiBa. Mit dem Versprechen, das im Landtagswahlkampf groß rauszubringen. Versprochen. Hat uns gefallen. Auch das Konzept. Wirklich. Einige Ortsvereine haben das tatsächlich plakatiert. Wenige. Sehr wenige. Von der SPD-Spitze war zum Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten nichts mehr zu hören – die versprach lieber den Mindestlohn. Dafür war man in Bayern nicht zuständig, da konnte nichts schiefgehen.
Inzwischen warben nämlich die Freien Wähler für das Volksbegehren zur Wahlfreiheit. Und da man sich mit diesen quasi seit ihrer Geburt im Sandkastenkrieg befindet, konnte man jetzt nicht mehr wollen, was man angeblich wollte. So wurde man – Saulus-Paulus nix dagegen – zum vehementesten G9-Fan in Bayern. Mit Wahlmöglichkeit zum G8. Aber ein bisschen anders, selbstverständlich. Weil man aber inzwischen dem Sandkasten in die Frühpubertät hinein entwachsen war, hieß es jetzt: „Wenn mein neues Kleid keine rosa Perlen hat, will ich gar kein neues Kleid.“ Einer allerdings hat diese Weiterentwicklung verpasst: Der Herr Vorsitzende Rinderspacher. Der hat nach dem durch die SPD-Verweigerung gescheiterten Volksbegehren triumphierend erklärt, jetzt werde sich zeigen, dass Seehofer nicht stark genug sei, ein G9 gegen die CSU-Landtagsfraktion durchzusetzen. Gibt es eine sichere Deponie für geistigen Restmüll?
Alles in allem, liebe bayerische SPD, eine reife Leistung. Auch dafür unseren herzlichen Dank. So wirst Du auch bei der nächsten Landtagswahl wieder zweistellig werden. Versprochen.

Siehe dazu auch den Kommentar von Sebastian Beck in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/bayern/volksbegehren-gg-gute-nacht-opposition-1.2050982